Es ist ein sonniger Tag, als Gerd Köster gut erholt, gerade frisch aus dem Urlaub, bei uns in der Kaffeerösterei vorbeischaut. Bei Cappuccino sprechen wir über seine Studioaufnahmen im August. Neue kölsche Hörbuchprojekte, unter anderem mit Hannelore Heger und Rolli Brings, sind in diesen Sommermonaten in Arbeit. Ein Interview aus 2012.
Gerd, wie hast Du das Buch „Blütenträume: Die unglaubliche Geschichte des Geldfälschers Jürgen Kuhl“ als „Leseprojekt“ entdeckt? Hat Dich der Hörbuchverlag angesprochen oder hast Du es selbst gefunden und gedacht: „Das möchte ich jetzt machen“?
Das Buch ist schon vor etwa einem Jahr erschienen. Ich kannte die Geschichte auch schon, in Nippes ist Jürgen Kuhl damals ja verhaftet worden. Ich konnte das in der Zeitung verfolgen. Eine haarsträubende Geschichte. Für Kölner ist das Buch ein Muss, es hat mich gleich interessiert. Allerdings ist es in der Hörbuchbranche nicht unbedingt üblich, ein Buch ein Jahr nach der Veröffentlichung noch einmal als Hörbuch aufzunehmen oder es auf Lesereise zuschicken. Ich dachte, das wäre schon vergeben. Aber dann hat der Verlag angerufen, tja, un dosi `mer.
Du warst schon als Sprecher zahlreicher Lesungen und Hörbuchaufnahmen mit Büchern von unter anderem Mikael Niemi, Nick Hornby, Frank Schätzing und John Niven tätig, hast also schon viele spannenden Themen und Geschichten vorgelesen. 2003 warst Du sogar für den deutschen Hörbuchpreis nominiert. Was fasziniert Dich an der Geschichte des Geldfälschers Jürgen Kuhl?
Dass sie einfach unglaublich ist. Eigentlich war er ja Künstler und hat unter anderem auch die„Hot Pants“ entworfen und in Köln bekanntgemacht. Aber nicht nur das: Auch die Randgeschichtet aus Jürgen Kuhls Leben, die Menschen, die dabei eine Rolle spielen: Schäfers Nas, Romy Schneider, Blatzheim, Dummse Tünn u.v.a. – ein Stück Kölner Geschichte.
Viele unserer Gäste sagen, Deine Gabe, die einzelnen Charaktere einer Geschichte hervorzuheben macht eine Lesung mit Dir zu etwas ganz Besonderem. Wie bereitest Du Dich auf eine Lesung vor?
Zu Hause laut lesend. Ab und zu lese ich auch meiner Frau Renate oder meinem Sohn vor.Der ist 17 und sieht die Dinge manchmal aus einem anderen Blickwinkel. Meine Frau liest selbst auch (Anmerkung der Redaktion: Im vergangenen Herbst las Rena Bowitz bei uns„Im Wald der gehenkten Füchse“ von Arto Paasilinna), das hilft mir dann schon. Inspirationen nehme ich aus schon Gehörtem. Im Café zum Beispiel: Wenn man da so tut, als würde man Zeitung lesen, bekommt man viel mit (Er lacht). Da hast Du den Sound dann schon.
Bist Du vor einem Auftritt eigentlich noch aufgeregt?
Aufgeregt bin ich schon noch, sonst würde ich aufhören. Konzerte bringen allerdings etwas mehr Adrenalin hervor als eine Lesung. Bei einer Lesung hast du nur die Stimme, und ein Ohr musst du im Raum haben. Wenn die Leute unruhig werden, darfst du auch schon mal ein bisschen mehr Gas geben.
Bei den Lesungen, die wir gemeinsam veranstalten, gibt es viele Stammgäste, die immer wieder kommen. bv fvc auch immer wieder nach neuen Lesungen von Dir fragen. Was schätzt Du an unserem „Sa Cova“-Publikum?
Was ich schätze ist, dass einige gesetztere Bürger, die sich mit Rock n ́ Roll und den Themen, die ich bzw. wir (Köster & Hocker) bringen, anfangs etwas schwer getan, nun aber uns und unsere Art angenommen haben. Teile des„Kölsch Milljö“-Publikums zum Beispiel – das war Neuland für uns. Es war spannend, mal einen anderen Blickwinkel zu zeigen und auch zu bekommen. Und es hat gezeigt: Die Mischung insgesamt bei diesen Veranstaltungen stimmt.
Vielen Dank lieber Gerd für das nette Gespräch!
