Charly, Du warst viele Jahre auf den Bühnendes Kölner Karnevals unterwegs. Wie bist Du zur „Kölschen Weihnacht“ gekommen? (Ein Interview aus 2015.)
Ich bin seit 1998, damals noch im Küppers Club des Brauhaues in der Südstadt, dabei. Angefangen hat eigentlich alles mit dem „Chreesbaum-Käufer“. Ich habe die Rede damals für eine interne Weihnachtsfeier meines Stammtisches geschrieben. Roland Kulik kannte ich aus dem Kölner Karneval und so kam eins zum anderen. Obwohl wir uns eigentlich schon viel länger, zumindest vom sehen, kennen. Wir sind sozusagen im gleichen Ort aufgewachsen.
Wolltest Du schon immer Reimredner werden?
Gereimt habe ich, ehrlich gesagt, schon immer. Erst für die Schülerzeitung und dann für Bierzeitungen für Hochzeitsgesellschaften odersonstige Jubiläen. Es muss 1979 gewesen sein, da habe ich mir ein „Verzällcher“ bei einer Karnevalssitzung angehört und gedacht: „Das kannst Du auch“. Meine erste Rede hieß „Portier vum Eros-Center“- eine völlig zotenfreie Rede (er lacht). Ich habe sie auf einem Vorstellnachmittag gebracht und hatte Erfolg. Danach war ich lange Zeit im Kölner Karneval mit diversen „Verzällcher“ unterwegs. Heute ist es allerdings so, dass die Leute eher sagen: „Ah, da ist ja der Charly von der „Kölschen Weihnacht“.“ Der Bekanntheitsgradhat sich ein wenig gewandelt.
Was ist ein „Verzällcher“ und was ist ein „Rümcher“?
Ein „Verzällcher“ ist eine Reimrede. Ein „Rümcher“ ist ein gereimter Witz. Ich erzähle „Verzällcher“, also 10-12 minütige Geschichten im Zeilenumfang von 160-180 Zeilen. Ich schreibe auch „Rümcher“- und um ehrlich zu sein würde es mir gefallen, alle meine „Verzällcher“ und „Rümcher“ mal in einem Buch zu veröffentlichen (er lacht).
Wie unterscheidet sich ein „Verzällcher“, also eine Reimrede, im Karneval von einem auf der „Kölschen Weihnacht“?
Grundsätzlich schreibe ich alle meine Reden selbst. Deshalb kann ich sagen, dass es auch ein bisschen schwieriger ist etwas zum Thema Weihnachten zu machen, als für den Karneval. Die Weihnachtszeit und alles, was damit zu tun hat ist eben begrenzt. Es ist jedes Jahr auch eine Herausforderung etwas Neues zu finden. Es gibt aber auch auf der Bühne einen großen Unterschied: Beim halten von Reimreden brauchst Du Zuhörer. Will heißen, Besucher, die sich wirklich still hinsetzen und die Rede verfolgen. Mittlerweile ist das ein kleines Manko im Kölner Karneval geworden. Bei Karnevalssitzungen geht der Trend zu Bands und Comedians. Das nennt man sicherlich Zeitgeist, man kann das nicht verurteilen. Für mich allerdings ist es eine zu große Veränderung. Ich mochte Veranstaltungen wie die Flüstersitzung. Deshalb kann ich sagen, dass ich lieber 40 mal auf der Bühne bei der „Kölschen Weihnacht“ stehe, als bei einer Sitzung aufzutreten.
Wie, wann und wo schreibst Du Deine Reden?
Ich schreibe in Norwegen. Dort bin ich trotz aller Verbundenheit mit meinem Heimatort mindestens 2-3 Monate im Jahr. Auf der kleinen Insel Runde finde ich die nötige Ruhe. Außerdem ist es dort im Sommer auch nachts taghell. Also schreibe ich zwischen 1 und 2 Uhr nachts. Viele Reimreden sind autobiografisch.Ich schreibe sie in, wie ich immer sage, lokaler Mundart. Denn auch in den unterschiedlichen Stadtteilen Kölns unterscheidet sich das Kölsch, das gesprochen wird. Oder wie Gerd Köster auch schon mal zu mir sagt: „Charly, reimst Du wieder in LinderPlatt?“ (er lacht). Wenn ich also ein Thema habe, dann fange ich an. Da kann es mitunter passieren, dass ich ein bisschen vom Ursprungsthema abkomme und plötzlich bei einem ganz anderem lande. Aber das nennt man dann kreativen Fluss. „Schmorbroode-Koch“ habe ich tatsächlich in 2 Tagen geschrieben. Es kann aber auch passieren, dass ich einen ganzen Tag nach einem Endwortsuche – schließlich soll es sich zum Schluss auch alles reimen. Auch wenn die Rede eigentlich nie fertig ist.
Wie bereitest Du Dich auf eine Staffel der „Kölschen Weihnacht“ vor?
Ich übe nachts. Gegen viertel nach zwölf gehe ich aus dem Haus und mache eine feste Runde durch meinen Heimatort. In den 6 Kilometern, die ich laufe, sage ich die jeweilige Rede auf. Wieder und wieder. Nach einer guten Stunde bin ich dann wieder zu Hause angelangt. Außerdem habe ich im Auto ein Band, was ich mir beim fahren anhöre.Was ist die größte Herausforderung beimVortragen von Reimreden? Du darfst keinen Hänger haben. Textsicherheit ist das Wichtigste. Deshalb bin ich auch die ersten fünf Vorstellungen einer jeden Staffelziemlich aufgeregt. Man weiß nie, wie das Publikum reagiert. Die Sorge vor einem Texthänger ist ständig präsent – bevor ich auf die Bühne gehe, fange ich an zu gähnen. Mit Sicherheit ein Zeichen von Anspannung.
Wenn alle Vorstellungen gespielt sind, hast Du da noch Lust Weihnachten zu feiern?
Ja! Wir feiern unser Weihnachtsfest zu Hause mit der Familie. Ich bin leidenschaftlicher Koch, also koche zu Hause das Weihnachtsmenü, meistens natürlich Gans. Am zweiten Weihnachtstag fahren wir dann mit dem Wohnmobil nach Spanien – eine kleine Tradition, die wir seit vier Jahren aufrecht erhalten.
Lieber Charly, „mange takk“ (Anmerk. d. Red.: Norwegisch für vielen lieben Dank) für das nette Gespräch!
