Der Musiker teilte mit uns u.a. ganz persönliche Erinnerungen an die Anfänge seiner Bühnenkarriere. Es ist Mitte August. Bei Eistee und Kaffeetreffen wir uns mit Hansgeorg Fuhrmann. Mit dem Fahrrad ist er heute Morgen zu uns in die Kaffeerösterei gefahren, fünf Minuten von uns entfernt wohnt er mit seiner Frau und u.a. Spannmann Roland Kulik als Nachbarn. Seitdem er geboren wurde, lebt und macht er Musik in Köln-Wahn. Wir haben mit ihm über die Anfänge seiner Musik, über die Herausforderung Krätzjer zu schreiben und über 20 Jahre Kölsche Weihnacht gesprochen. Und über etwas, was ihn besonders berührt: Das Musik machen mit seinen beiden Kindern. Ein Interview aus 2016.
Hansgeorg, seit wann machst Du eigentlich Musik?
Ich glaube, ich habe mit acht Jahren angefangen. Ich sollte von meinem Elternhaus aus Flöte spielen lernen. Aber eigentlich wollte ich lieber Gitarre spielen. Ein entfernter Onkel hatte mir eine alte Ukulele geschenkt – ich war damals der festen Überzeugung, dass es sich um eine Gitarre handelt (Er lacht). Und obwohl ich mich in der Schule gleich zum Gitarrenunterricht gemeldet hatte, lernte ich erst einmal Blockflöte. Mit zehn Jahren war es aber dann soweit: Ich habe eine gebrauchte Gitarre vom Sohn eines Freundes unserer Familie bekommen – damals nannte man das Exemplar eine Damengitarre. Im Grunde eine Gitarre mit einem engen Sattel. Besagter Sohn gab mir dann auch gleich über ein halbes Jahr lang Unterricht. Immer sonntags nach der Messe. Irgendwann wurde mir das mit dem Unterricht zu viel- also habe ich ein Jahr lang pausiert.
Erinnerst Du Dich an Deinen allerersten Auftritt vor Publikum?
Ja. An den erinnere ich mich gut. Das war bei Frau Jungmann, meiner Musiklehrerin, und das Publikum war die Klasse. Da muss ich um die dreizehn, vierzehn gewesen sein. Ich habe vor meinen Mitschülern „Bad Moon Rising“ vonCCR gespielt.
Wie ging es dann weiter?
Später habe ich in der Schulband angefangen. Die haben eher Jazz gemacht – ich habe den Gitarrenpart übernommen. Jazz war nicht so wirklich meine Musik, Spaß hat es trotzdem gemacht. Im Nachbarort suchte eine andere Band noch einen Bassisten und als die mich fragten, ob ich das machen wollte, habe ich zugesagt. Das Bassthema war neu für mich, aber ich konnte mich einarbeiten. Wir haben u.a. Santana gespielt und eine zeitlang nur instrumentale Stücke eingeübt. Während irgendeiner Probe habe ich dann mal angemerkt, dass die Band ruhig ein bisschen Gesang vertragen könne. „Ja, dann sing doch!“, war die Antwort meiner damaligen Musikerkollegen. Also haben wir ein bisschen mit alten Aufnahmemikrofonen und ein paar Joghurtbechern experimentiert, bis wir einen akzeptablen Klang hatten. Und ich habe den Gesangspart übernommen. Das erste Mal sind wir dann im Rahmender „Rheinland Ausstellung Porz“, ich war gerade mal siebzehn, aufgetreten. Und die Leute sind mehr oder weniger an uns vorbei flaniert
Und heute stehst Du mit dem Ensemble der „Kölsche Weihnacht“ über 40-mal auf der Bühne.
Manchmal komme ich mir vor, als wenn ich einenWitz zum hundertsten Mal erzähle… (Er lacht). Aber wenn ich das Gefühl habe, dass was ich auf der Bühne da mache, kommt an, dann mache ich das gern. Wenn ich weiß, das Publikum hat Spaß, dann singe ich auch „ahl Leeder“ immer wieder mit derselben Freude.
Wie und wo kommen Dir die Ideen für die Texte der Leeder und Krätzjer?
Im Allgemeinen kann ich sagen, dass es oft vorkommt, dass mir die Ideen erst sehr, sehr knapp einfallen. Dann arbeiten wir natürlich ein wenig unter Zeitdruck, stellen Sätze sogar manchmal noch nach den ersten ein, zwei Veranstaltungen um. Aber es sind tatsächlich die viel besprochenen ungewöhnlichen Orte, an denen ich die Ideen habe. Bei „Weihnachsdach en Kölle“ z.B. stand ichwirklich unter der Dusche, bin kurz ins Wohn-zimmer geflitzt und habe die ersten Zeilen notiert. Ein anderes Mal habe ich mit einem kleinenMP3-Aufnahmegerät auf der Herrentoilette meiner damaligen Arbeitsstelle ein paar Ideen zur „Öscher Print“ eingesungen. Ich bin allerdings sehr kritisch mit mir und meiner Musik. Manchmal wird aus einer Idee etwas. Manchmal auch nicht. Ich habe so viele Aufnahmen zu Ideen, aus denen dann nichts geworden ist. Vielleicht sollte ich da noch einmal reinhören…(Er lacht).
Seit es die „Kölsche Weihnacht“ gibt, bist Du einTeil des Programmes. Was hat sich im Laufe der Zeit verändert? Wie siehst Du die Weihnacht heute?
Die Truppe war in den Anfängen anders besetzt. In den ersten Jahren hatte jeder seinen festen Auftritt und heute mischen sich die Musiker auch mal etwas. Mit der Zeit brachte der ein oder andere Musiker noch ein bisschen hiervon und davon mit, sodass sich das Ganze natürlich musikalisch weiterentwickelte. Ich muss sagen, dass sich aber eines wie ein roter Faden durch die Jahre gezogen hat: Das Miteinander hinter der Bühne. Immerhin sitzen wir über 40 Mal auf engem Raum und natürlich gibt es mal Meinungsverschiedenheiten. Dennoch: Ich mag die Stimmung hinter der Bühne. Das geht schon von der allerersten Staffel an so. Ich erinnere mich, dass ich mal mit Uschi-Werner Fluss hinter der Bühne des alten Brauhauses Walzer getanzt habe. Es ist sicher eine anstrengende Zeit, aber danach entspannt es sich ja auch wieder. Für mich ist sie mit der Zeit persönlicher geworden, da wir immer mehr eigene Texte und Musik einbringen konnten.
Seit 20 Jahren stehst Du mit und für die „Kölsche Weihnacht“ auf der Bühne. Mit welchen Gefühlen schaust Du der diesjährigen Jubiläumsstaffel entgegen?
Die Zahl 20 erstaunt mich, um ehrlich zu sein.Hätte das jemand im Vorfeld gedacht? Wir haben im Brauhaus mit 8 Veranstaltungen im ersten Jahr begonnen. Ich kann sagen, dass es zeitlich gesehen einen Großteil meines Musikerdaseins ausmacht. Und manchmal blitzt die „KölscheWeihnacht“ auch schon mal in mein Privatleben rein. Als ich z.B. am Hamburger Flughafen einfach so darauf angesprochen wurde. Oder auch in der Stadt merke, da kennt mich jemand von Bühne. Kürzlich war ich zu Gast bei einer Travestieshow bei uns im Ort und wurde von der Bühne mit „Och, die „Kölsche Weihnacht“ ist ja auch da“, angesprochen. Das ist ebenso erstaunlich. Aber für mich ist es das Wichtigste, immer etwas Schönes, Neues zu machen. Bei jeder Staffel. Da bin ich sehr ehrgeizig. Und es ist vor allem immer eine Herausforderung etwas Lustiges zu machen. Da ist es einfach wichtig, dass die Leute später mitgehen können. Für dieses Jahr gehe ich also mit dem Wunsch in die Staffel, ein schönes, neues Krätzjer zu schreiben. Das geht mir schon die ganze Zeit durch den Kopf.
Wenn eine Staffel der „Kölsche Weihnacht“ zu Ende geht, verschwindet dann auch erst einmal die Gitarre für eine Weile im Koffer?
Nein. Ich mache auch gern privat Musik. Spiele auf Geburtstagen von Freunden, Grillfesten oder anderen Feten. Gern auch mal mit meiner Tochter Judith und meinem Sohn Tim , die beide ihre eigenen Musikprojekte haben. Als die beiden kleiner waren, durften sie sich jeweils einen Sport und ein Instrument als Hobby aussuchen. Das beide nun ihr eigenes musikalisches Ding machen, berührt mich als Vater natürlich sehr.
Vielen, vielen Dank, lieber Hansgeorg für dieses interessante und private Gespräch.
