Anderthalb Wochen vor der „Kölschen Weihnacht“ haben wir mit Frank Hocker kurz vor seiner nächsten Probe gesprochen. Es ist einer der ersten kalten Tage im November.Die Proben für die „Kölsche Weihnacht“ sind bereits in vollem Gange. Seine Gitarre ist schon im Koffer verstaut, dennoch nimmt sich Frank Hocker nach einem Morgen voller Musik Zeit, zu Gast bei uns zu sein. Und trinkt etwas, was es normalerweise bei uns nicht zu bestellen gibt: Ein kühles Bier. Mitgebracht aus dem Proberaum nebenan. Wir haben mit ihm u.a. über die Anfänge seines Gitarrenspiels und über das Komponieren von Liedern gesprochen. Ein Interview aus 2016.
Cheers, Frank! Schön, dass Du Zeit gefunden hast, uns in der Rösterei zu besuchen.
(Er lacht) Normalerweise halte ich es wie Van Morrison, soweit ich weiß, hat er seit Jahren keine oder nur sehr wenige Interviews gegeben.
Umso schöner, dass Du jetzt da bist! Wie und wann bist Du zum Gitarrenspielen gekommen?
Mit 12 Jahren. Es war mein sehnlicher Wunsch, eineGitarre zu besitzen. Zu Weihnachten hatten meine Eltern eine Spielzeuggitarre für meine jüngere Schwester verpackt und haben mich ein bisschen reingelegt, sie ließen mich das Paket auspacken. Als ich das Plastikding in den Händen hielt, war ich natürlich erst einmal ziemlich enttäuscht. Eine gute Viertelstunde später gab es aber dann die Echte. Gitarre war damals das Instrument der Stunde für Bands und Singer /Songwriter wie z.B. Bob Dylan. Synthetische Sounds aus dem Computer gab es nicht. Aber so oder so, die Gitarre war und bleibt bis heute mein Lieblingsinstrument.
Bekamst Du gleich danach auch Unterricht?
Ich bin Autodidakt und habe nie Unterricht genommen. „Learning by doing“ war für mich selbstverständlich. Und ehrlich gesagt: Ich wollte auch keinen Unterricht. Meine erste Gitarre habe ich erst einmal ganz anders als im Lehrbuch steht gestimmt. „OpenTuning“ – dabei stimmst Du die Gitarre auf einen Akkord. Dann kannst Du mit einem Finger verschiedene Akkorde spielen, ohne mit der ganzen Hand zu greifen. Nach den ersten Versuchen habe ich dann auch ziemlich schnell die normale Stimmung genommen, Songs aus dem Radio nachgespielt. Und recht bald auch erste eigene Sachen komponiert.
Kannst Du Dich an den Namen Deiner ersten Band erinnern?
Erst einmal habe ich eine Zeit lang allein gespielt. So mit 16 Jahren gab es die ersten Keller-Kombos. An Namen erinnere ich mich nicht mehr, aber dahaben wir uns gegenseitig gezeigt, wie was geht. Der eine konnte dies, der andere das. Die erste Band, in der ich mit Gerd (Anmerk. d. Red.: Köster) gespielt habe, hieß dann „ZarahZylinder“.
Wie unterscheidet sich Dein Gitarrenspiel von damals zu heute?
Mit 16 Jahren ist dein Musikgeschmack natürlich anders als mit 30 oder 40 und dadurch, dass Du ständig neue Einflüsse hast, verändert und verbessert sich auch das Gitarrenspiel. Eigentlich lernt man immer weiter. Wichtig geblieben sind für mich u.a. die Rolling Stones. Früher hattest Du ein bisschenTaschengeld und das ist bei mir für Singles und LPs draufgegangen. Ich habe viel Radio gehört und imLaufe der Zeit guckst Du dich immer mehr um, hörst mehr Musik. Ich kann sagen, dass später auch Ry Cooder, eine amerikanische Stil-Ikone des Gitarrenspiels, mich sehr beeinflusst hat. Wie gesagt, je mehr Zeit vergeht, desto mehr Musik lernst Du kennen und das prägt dann auch das eigene Spiel. In Sachen Kölscher Musik haben mich in den 70ern vor allem die „BläckFööss“ interessiert, weil ich das, was sie gemacht haben, innovativ fand. Das war mal etwas anderes: Im weitesten Sinne volkstümlich, aber auch Elemente aus Folk und Rockverwandtes waren dabei.
Ist es anders , Musik für englische, hoch deutscheund später auch kölsche Texte zu komponieren?
Mit unserer früheren Band „Schröder Roadshow“gab es hochdeutsche Texte, später bei „The piano has been drinking“ hat Gerd dann kölsch getextet. Musikalisch sind die Wurzeln dieselben: Wenn ich komponiere, sind Rock, Blues, Folk und Jazz wichtige Stile dabei, das ist natürlich ganz anders als Musik der „Egerländer“ (Anmerk. d. Red.: eine bekannte Blaskapelle). Egal ob auf englisch, hochdeutsch oder Kölsch.
Seit 2003 bist Du mit Gerd Köster ein festes Ensemblemitglied der „Kölsche Weihnacht“ und des“Kölsch Milljö“. Wie entstand der Kontakt und später auch das Mitwirken an den Programmen?
Wir hatten einige Zeit vorher das Album „Dreckelije Krätzje“gemacht. Ich glaube, Roland (Anm. d. Red.:Kulik) hat uns deswegen gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, beim „Kölsch Milljö“ und bei der „Köl-schen Weihnacht“ dabei zu sein. Und wir konnten. Natürlich hatte ich schon von den Programmen gehört, hatte bis dahin aber ehrlich gesagt noch keine Vorstellung besucht.
Wie bereitest Du Dich auf eine Staffel vor?
Gar nicht (Er lacht).Wir versuchen ja immer, etwas Neues beizutragen , proben dann einige Tage zusammen mit dem Ensemble.
Was schätzt Du an der Kölschen Weihnacht?
Die Stimmung hinter der Bühne. Auch wenn wir alle einen anderen Hintergrund haben, und auch wenn ́s manchmal anstrengend wird: Die Atmosphäre zwischen uns ist sehr freundschaftlich. Das habe ich auch schon anders erlebt. Die musikalische Bandbreite ist groß: Von volkstümlich, über Krätzjer, Balladen, Blues bis hin zum Jazz ,Streichquartett und Bläsersatz -alles ist vertreten. Und auch das Publikum ist facettenreich: Wenn man sich im Saal umguckt, dann sieht man jung und alt zusammensitzen.
Wie und wo kommen Dir die Ideen für ein Lied?
Die Gitarre gehört für mich zum Leben. Ich nehme sie auch mit in den Urlaub. Kreativität ist in dem Sinne nicht immer planbar. Gerd und ich haben ein ganzes Album in Irland getextet und komponiert. Eines an der Mosel. Aber Ideen können auch im Zoo oder in der Flora kommen. Oder zuhause. Gerd ist dabei der Wortartist und ich bin für die Musik zuständig. Ich glaube, wir haben eine gute Jobaufteilung, wir ergänzen uns prima. Und das seit vielenJahren. Wie gesagt, ich liebe dieses Instrument und sehe im Musik machen mehr als „nur“ einen Beruf.
Vielen lieben Dank Frank, für dieses nette Gespräch!
